Blühende Orchideenwiese 2017
Hammerweiher Wiesen 2017
Siebenstern im Torfmoos.JPG
Landschaftspflege im Steinacher Moos 2016
Sonnenuntergang Herbst.JPG
Ökokonto Dachsberg 2016
IMG_1378.JPG

Bayerns UrEinwohner

 

 

Auch Straubing-Bogen hat einen UrEinwohner: den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling! 


2012 beteiligte sich der Landschaftspflegeverband Straubing-Bogen an der Kampagne "Bayerns UrEinwohner", die vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) initiiert und vom bayerischen Umweltministerium mitfinanziert wurde. Im Mittelpunkt stand der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling als Bayerischer UrEinwohner im Landkreis Straubing-Bogen.

Wer oder was ist ein Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling?

Lebenszyklus des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings

Dieser Tagfalter aus der Familie der Bläulinge erreicht eine Flügelspannweite von 28 bis 33 mm. Die Flügeloberseiten sind bei den Weibchen einfarbig dunkelbraun, bei den Männchen dunkelblau beschuppt mit breitem, schwarzgrauem Rand. Zusätzlich sind bei den Männchen auf den Flügeloberseiten mehrere dunkle Punkte erkennbar. Bei beiden Geschlechtern sind die Flügelunterseiten graubraun bis zimtbraun mit einer bogenförmig angeordneten, schwarzen Punktereihe. Die Punkte sind hell gerandet.Wichtigste Voraussetzung für das Auftreten dieser Bläulingsart ist das Vorkommen einer bestimmten Pflanze nämlich des „Großen Wiesenknopfes“ (lat. Sanguisorba officinalis) und einer Insektenart die der „Rotgelben Knotenameise“(lat. Myrmica rubra). Beiden Arten spielen eine entscheidende Rolle im Entwicklungszyklus  des Schmetterlings. Die Lebenszeit des Schwarzblauen Moorbläulings als erwachsener Schmetterling beträgt durchschnittlich nur 7 – 10 Tage. Im Sommer bleiben ihm nur wenige Wochen, um seinen Lebenszyklus zu vollenden und seine Art zu erhalten. Nach Vollendung seiner Entwicklung zum Falter fliegt der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling im Juli und August. Das Weibchen legt nach der Begattung seine Eier in die noch nicht aufgeblühten Blütenknospen des Großen Wiesenknopfes. Nach dem Schlüpfen ernährt sich die Raupe in den ersten Tagen und Wochen ausschließlich von diesen. Nachdem die Raupen diese Knospen aufgefressen haben, lassen sie sich zu Boden fallen, wo sie von den ihren Wirtsameisen der „Gelbroten Knotenameise“ aufgesammelt und in das Ameisennest getragen werden. Diese Ameisenart bildet keine Nesthügel wie die großen Waldameisen, sondern lebt im Boden. Um nicht von den Ameisen aufgefressen zu werden, nimmt die Raupe den „Nestgeruch“ an und produziert auch ein Zuckersekret für die Ameisen. Die Raupe selbst wird zum Teil von den Ameisen gefüttert, frisst aber auch selbst Ameiseneier und Ameisenlarven und überwintert im Ameisennest, bis sie sich dann im Frühjahr schließlich verpuppt. Nach dem Schlüpfen im Sommer funktioniert die Tarnung nicht mehr und der Schmetterling muss schnellstens das Ameisennest verlassen, um nicht gefressen zu werden.

   

Gefährdungsursachen

Dieser sehr spezielle Lebenszyklus des Schwarzblauen Bläulings hat dazu geführt, dass die Art schon sehr selten geworden ist. Entscheidend ist hier vor allem, dass sich zur Zeit der Raupenentwicklung die Knospen des Großen Wiesenknopfes ebenfalls im richtigen Wachstumsstadium befinden, damit die entsprechende Raupennahrung zur Verfügung steht.

Folgende Gefährdungsfaktoren und Gefährdungsursachen sind zu nennen:

  • Nutzungsaufgabe von Grünlandstandorten:
    Langjährige Brache führt zum allmählichen Erlöschen einer Population, da sich die Standortbedingungen sukzessive verschlechtern. Die zum Überleben notwendigen Partner wie der Große Wiesenknopf und die Rotgelbe Knotenameise sind nicht mehr in ausreichender Zahl vorhanden. Die Flächen verbuschen allmählich und werden schließlich zu Wald.
  • Zerstörung des Grünlandes:
    Die direkte Zerstörung des Lebensraumes durch Umbruch von Grünland zu Ackerflächen, Aufforstung von Grünlandflächen, Bau von Straßen, Siedlungen und Gewerbegebieten führen zu sofortigem Erlöschen der Schmetterlingspopulationen.
  • Intensivierung der Grünlandnutzung:
    Eine zu intensive Nutzung des Grünlands (mehrschürige Nutzung) führt zwangsläufig zu ungünstig für den Bläuling liegenden Schnittzeitpunkten, um seinen Lebenszyklus vollenden zu können. Negativ wirken sich auch die verstärkte Düngung mit Gülle oder Mineraldünger aus, da dadurch das Artenspektrum der Wiese gravierend beeinflusst wird. Der Große Wiesenknopf, der zur Fortpflanzung benötigt wird, verschwindet aus den Flächen. Der Einsatz schwerer landwirtschaftlicher Maschinen schadet durch die Bodenverdichtung vor allem auch den Ameisenpopulationen. Auch intensive Weidenutzung (Koppelhaltung mit hohen Besatzzahlen) bieten keine geeigneten Lebensräume für den Wiesenknopf-Ameisenbläuling.

 Foto: P. Zach

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen:

Notwendig zur Erhaltung des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings sind die Sicherung der bisherigen Lebensräume und die Vernetzung der vorhandenen Populationen untereinander. Zur Sicherung bedarf es vor allem eines Zusammenspieles von extensiver Nutzung mit ein- bis zweimaliger Mahd pro Jahr zu den richtigen Schnittzeitpunkten, einer höchstens nur mäßigen Düngung und eines möglichst Boden schonenden Maschineneinsatzes. Gleichzeitig sind kleinere, kurzzeitige Brachebereiche auf der Fläche oder am Rande für die Vorkommen der Rotgelben Knotenameise von Vorteil, die hohe, jedoch nicht verbuschte Grasbestände benötigen. Nicht gemäht werden sollten die Flächen zwischen Mitte Juni und Mitte September, um dem Schmetterling Eiablageplätze zu sichern und die Raupenentwicklung auf dem Großen Wiesenknopf bis zu dessen verlassen zu ermöglichen. Um die Isolierung der Populationen aufzuheben und deren Vernetzung wieder herzustellen sollten vorhandene Barrieren wie Aufforstungen in Wiesentälern oder sonstige Nutzungsänderungen des Grünlands beseitigt werden und eine geeignete, extensive Grünlandbewirtschaftung erfolgen. Dazu können auch die bestehenden Programme, wie das Vertragsnaturschutzprogramm des Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit (StMUG) und das Kulturlandschaftsprogramm des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) einen Teil beitragen, die den Landwirt hier finanziell unterstützen. Von entscheidender Wichtigkeit und Bedeutung aber ist zugleich, die Bürger über diese Themen zu informieren und das Bewusstsein zu fördern, dass dem immer noch fortschreitenden Artensterben durch in manchen Fällen recht einfache Maßnahmen, wie am Beispiel des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, entgegengewirkt werden kann.

Der Landschaftspflegeverband Straubing-Bogen führt im Rahmen seiner Pflegemaßnahmen auf einigen Wiesentälern, beispiesweise im Zusammenhang mit seinem „BayernNetzNatur-Projekt Donauseitentäler“ entsprechend auf die Bedürfnisse des Schwarzblauen Bläulings abgestimmte Mahden durch. Er beseitigt auch Barrierehindernisse wie Gehölze zwischen den einzelnen Populationen soweit er Zugriff auf die Grundstücke erreichen kann, sei es durch Ankauf durch den Landkreis oder durch Einverständnis des Grundstückseigentümers.

 

Spezielles Projekt des LPV Straubing-Bogen zu Bayerns UrEinwohner:

Der LPV Straubing-Bogen will eine selten gewordene Art bekannt machen, nämlich den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder auch Schwarzblauer Bläuling, auf die Gefährdungsursachen hinweisen und etwas für seinen Schutz tun. In seinem öffentlichkeitswirksamen Projekt wendet er sich verstärkt an Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter bis zu 10 Jahren.

Neben den allgemeinen Informationen zum Schwarzblauen Bläuling für die gesamte Landkreisbevölkerung wurde deshalb für die Kinder ein spezielles Projekt entwickelt, nämlich eine Kasperlgeschichte in Form einer Hörspiel-CD, speziell für die genannten Altersgruppen. Hierbei soll den Kindern der außergewöhnliche Lebenszyklus des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings in Form einer unterhaltsamen Kasperlgeschichte näher gebracht werden. Erdacht, gespielt und gesprochen wird diese spannende Geschichte von „Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater“ auch unter Mitwirkung des Schauspielers Heinz Josef Braun, der im Hörspiel den sympathisch grantelnden Schwarzblauen Bläuling spricht. Musikalisch umrahmt wird das Theater durch die bekannte Gruppe Quadro Nuevo. Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater besteht aus den beiden Puppenspielern Richard Oehmann und Josef Parzefall. Dieses inzwischen sehr bekannte Puppenspieler-Duo, das 2012 mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet wurde, begeistert mit seinen Geschichten nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene, wie an der starken Resonanz und den guten Pressekritiken für ihre Hörspiel-CDs und bei ihren Theateraufführungen erkennbar wird.  Die Kindergärten, die Grund- und Sonderschulen erhalten vom Landschaftspflegeverband Straubing-Bogen kostenlose Exemplare der Hörspiel-CD „Kasperl und der Schwarzblaue Bläuling“, wobei hier neben dem hoffentlich Lerneffekt auch der Spaß für die Kinder nicht zu kurz kommen sollte.

 

 

 

„Bayerns UrEinwohner“ ist eine Artenschutzkampagne der bayerischen Landschaftspflegeverbände und deren Dachverband (DVL) mit dem Umweltministerium zum Schutz der Biodiversität und zur Umsetzung der Bayern Arche. Zentrales Element sind Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit in den Projekten. Diese Kampagne wird seit 2008 mit großer Resonanz in ganz Bayern durchgeführt.

Die Kampagne der bayerischen Landschaftspflegeverbänden behandelt ausgewählte heimische Tiere und Pflanzen. Viele davon sind gefährdet und müssen in ihren Lebensräumen geschützt werden. Die Landschaftspflegeverbände nehmen sich durch ihre Pflegemaßnahmen speziell solcher Arten an.